Die neue Welt: Erleben und Beziehungsgestaltung

von Sonja Radatz

 

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Es stimmt, dass unsere Jugend nicht mehr liest.

Die Frage, die ich mir dabei stelle, ist:

Was tun die Menschen, was tut „die Jugend“, während wir fassungslos vor den leeren Bücherregalen unserer Kinder und jüngeren Mitarbeiter stehen – und uns nach all dem Haareraufen fühlen wie in der schönen Textzeile von John Lennon „Life is what happens to you while you are busy making other plans“?

 

1. Erlebnis schlägt passives „Aufnehmen“

Das stelle ich fest: Junge Menschen (und solche, die jung geblieben sind) erleben vielmehr, als dass sie passiv lesen und aufnehmen. Und sie teilen diese Erlebnisse mit anderen, gestalten und pflegen weltweite Beziehungen und leben nicht selten hautnah mit Menschen zusammen, die oft 2.000 Kilometer und weiter entfernt sind. Oder anders ausgedrückt: Sie erfahren von einem Erdbeben nicht (nur) durch die Nachrichten, sondern von ihren Freunden die direkt am Ort des Geschehens sind und ein Video darüber senden, was sie dort erleben.

Niemals zuvor gab es so viele Filme wie heute – nicht nur solche, die sich Menschen „ansehen“, sondern auch und vor allem solche, die sie „instant“ drehen und an Freunde, Kollegen, Kunden versenden – die ausdrücken, worum es genau in diesem Moment geht; was sie fühlen, was ihnen wichtig ist. Denn das Leben – das merken die Menschen heute – ist nicht (nur) das geschriebene Wort, sondern ein Ganzkörpererlebnis, in dem die Beziehung eine große Rolle spielt; in dem wir uns als Teil des Erlebten sehen und präsentieren.

 

2. … und prallt auf die alte Welt

In einer solchen Welt spielt die Rechtschreibung wohl eine eher untergeordnete Rolle; übernimmt doch diese Aufgabe ein einfaches technisches Programm, das uns an der richtigen Stelle „korrigierende“ Vorschläge anbietet. Wobei sich natürlich die Frage stellt, welche Rolle das geschriebene Wort überhaupt einnimmt, wenn wir mittels Face Time, Skype und Viper jederzeit und immer in voller Präsenz und „mit allen Sinnen“ das viel eindrücklicher zu vermitteln vermögen, was uns wichtig ist.

 

3. Im Fokus: Beziehungsgestaltung

 

Das papierlose Arbeiten – ich erlebe es bei einem sehr guten Freund von mir, der mir jeden Tag nicht nur seine Aversion gegen die Papierflut vermittelt, sondern auch kein einziges Stück Papier besitzt; keines besitzen will. Vielmehr benötigt er nicht mehr als sein iPhone und einen Wi-Fi-Anschluss, um zu den reinen Wi-Fi-Kosten – also praktisch kostenlos! – mit allen global ansässigen Kunden via Face Time in Video Konferenzen seine Produkte und Angebote zu präsentieren, 24/7 mit ihnen in Kontakt zu stehen, diesen Kontakt über ungewöhnlich viele Kanäle zu gestalten und auszubauen – und seinen Beziehungsjob optimal zu erfüllen.

 

>> Jetzt mehr lesen: in LO 81 "Stay hungry - stay foolish".

 

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