Woran erkennen Sie „die Richtigen“?

von Sonja Radatz

 

Ich erlebe wie Sie jeden Tag, dass die Methoden zur Gewinnung von Mitarbeitern immer aufwändiger werden. Gleichzeitig steigt die Zahl der Mitarbeiter, die das Unternehmen innerhalb der ersten 2 Jahren das Unternehmen wieder verlassen, auf eine erschreckende Zahl: Schon 2012 waren etwa lt. Statistik Austria 78% der Menschen, die 2010 einen neuen Job begonnen hatten, nicht mehr im gleichen Job. Und das betrifft mitnichten nur junge Mitarbeiter: Bei den 55-60-Jährigen waren es sogar satte 84%. Was bedeutet: 4/5 der Mitarbeiter warten meist nur noch das kolportierte „für den Lebenslauf erforderliche“ Zeitlimit von 1,5 Jahren ab, um sich dann nach neuen Möglichkeiten umzusehen. Oder halten sie es nicht länger aus als 2 Jahre?

Parallel zum steigenden Aufwand (in Zeit und Kosten!) in der Personalsuche erlebe ich jedenfalls (leider), dass die Beschäftigung der Kandidatensuchenden mit den Kandidaten immer geringer wird. Am liebsten wäre es ihnen, wenn all die lästige und langwierige Suche ganz einfach komplett ausgelagert werden könnte und sie nur noch die 2 – 3 Kandidaten aus der Endauswahl zur Unterschrift „vorgelegt“ bekommen.

Und ich glaube, genau hierin liegt das Problem: Dass sich jeder Vorgesetzter, der naturgemäß von Zeit zu Zeit neue Mitarbeiter sucht, einem massiven, praktisch jeden Tag wachsenden, angeblich „notwendigen“ Berg an Verfahren und Prozessen gegenüber sieht, die er weder handeln kann noch will – dass aber gleichzeitig genau das, worum es meines Erachtens in der Gestaltung einer potenziellen neuen Beziehung, dieser Arbeitsbeziehung, geht, nämlich das „sich Kennenlernen“ und die „Prüfung der Passung“, in einer halben Stunde „Letztinterview“ eben nur schwerlich stattfinden kann. Einmal ganz abgesehen von der Notwendigkeit des tatsächlichen „einander Anfreundens“ im ersten Jahr der Zusammenarbeit, das schlichtweg in den meisten Führungsbeziehungen aktuell nicht passiert – oft nicht einmal reduziert auf die schnöde Mitteilung an den Mitarbeiter, was man sich denn von ihm erwartet – ganz zu schweigen von Beziehungsvertiefung oder gar Begleitung. (Oder sind Sie auch so einer von den „situativen Führungskräften“, die immer behaupten, ihre Mitarbeiter „wären noch nicht so weit“?)

 

Da beschleichen mich zwei kritische Fragen:

Erstens: Erledigen die Führungskräfte ihre Hausaufgaben – machen sie tatsächlich „Beziehungsgestaltung“ mit ihren Mitarbeitern?

Und zweitens: Hat der laufende Ausbau der Methodik und der Anstrengung auf Seite der „Auswählenden“, die nicht „Vorgesetzte“ sind, vielleicht mehr Selbstzweck als er Sinn macht? Schließlich findet das „Aufbauschen“ ja ganz einfach deshalb statt, weil die „Auswählenden“ die Passungsprüfung und den Beziehungsaufbau gar nicht stellvertretend herstellen können und mit aller Anstrengung versuchen, diese Inkompetenz zu kaschieren.

 

Und schließlich stelle ich mir am Ende, quasi als Conclusio selbst die Frage: Ist der aktuell gewählte Weg einer, der funktioniert? Und meine Antwort ist: Ich bin der festen Überzeugung, nein.

Gut, denke ich mir dann. Wir haben ja noch genug Zeit. Noch gibt es ja genug Mitarbeiter am Markt, die noch zu verbrennen sind. Wir sind ja noch lange nicht am Ende… da wäre es doch gelacht…

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

RSS Feed

Das neueste Statement von Sonja Radatz kommt alle 2 Wochen automatisch zu Ihnen.

Sichern Sie sich jetzt die automatische Information zu jedem Eintrag.

jetzt abonnieren

Melden Sie sich an

Um Kommentare zu den Einträgen machen zu können ist es notwendig, dass Sie am System angemeldet sind. Haben Sie noch keinen Account, dann registrieren Sie sich doch